Plain Language: Auf 81 von 122 geprüften Firmenseiten ist der Text schwerer als nötig, obwohl die Sätze kurz sind
Plain Language: warum ein einfacher Satz leichter zitiert wird als ein guter Absatz
Ihre Website hat zwei Sorten Leser. Menschen überfliegen. Programme schneiden einzelne Abschnitte heraus und stellen sie Monate später in eine Antwort. Beide bevorzugen denselben Satzbau: kurz, konkret, ohne Rückgriff auf den Absatz davor. Plain Language, auf Deutsch einfache Sprache, beschreibt genau diesen Bau.
Auf einen Blick
81 von 122
Geprüfte Firmenseiten über dem Lesbarkeitswert 10 (Hubert-Strategies-Stichprobe, September)
11,03 %
Aussagen in KI Antworten ohne Deckung durch die zitierte Seite (Xu u. a., arXiv)
4.563
Testpersonen in der Studie zur Textvereinfachung (Guidroz u. a., arXiv)
1. Einführung: Was Plain Language mit KI Antworten zu tun hat
Ein Satz auf Ihrer Website hat zwei Sorten Leser. Der eine sitzt auf dem Sofa und überfliegt. Der andere ist ein Programm. Es zerlegt Ihre Seite in Abschnitte, legt jeden Abschnitt einzeln ab und stellt einen davon später in eine Antwort. Beide mögen dieselbe Sorte Satz.
Plain Language, auf Deutsch einfache Sprache, bezeichnet eine Schreibweise, bei der Wortwahl, Aufbau und Gestaltung so klar sind, dass die angesprochenen Leser sofort finden, verstehen und nutzen können, was sie suchen. Für KI Systeme gilt derselbe Bau: kurze Sätze mit je einer Aussage, die auch einzeln aus dem Text geschnitten noch tragen.
Was das für Sie heißt: Nimmt ein Auskunftsdienst im Netz einen Satz von Ihrer Seite und stellt ihn in eine Antwort, dann steht dieser Satz dort ohne den Absatz davor. Fehlt ihm der Bezug, wird aus einer richtigen Aussage eine halbe. Kurze, für sich verständliche Sätze kosten Sie nichts außer Schreibzeit. Sie schützen Ihre Aussagen vor genau diesem Verlust.
Der Gedanke ist nicht neu. Die US-Bundesverwaltung schreibt seit dem Plain Writing Act vor, dass Texte für die Öffentlichkeit für ihr Publikum geschrieben sein müssen. Neu ist die zweite Leserschaft. Wie sie Inhalte bewertet, haben wir an anderer Stelle beschrieben: was hilfreicher Inhalt leistet. Wer wissen will, wie die eigene Seite dabei heute abschneidet, findet den Einstieg über ein GEO-Audit.
2. Warum einfache Sprache in der KI Suche zählt
Bevor ein KI System Ihre Seite zitiert, hat ein Programm sie zerschnitten. Aus einer Seite werden viele kleine Stücke. Jedes Stück wird für sich abgelegt, für sich in Zahlen übersetzt und später auch für sich gefunden, ohne dass dabei noch einmal jemand den Rest der Seite ansieht. Der Absatz davor ist dann weg. Genau hier entscheidet sich, ob Ihre Aussage heil ankommt.
Das ist wie eine einzelne Zeile aus einem Kochbuch: „Das Ganze 40 Minuten backen.“ Ohne die Seite davor ist der Satz wertlos. Auf Websites passiert dasselbe, nur unbemerkt.
Die Arbeitsgruppe um Michael Günther hat gemessen, was dabei verloren geht. Ihr Vergleich von Zerlegungsverfahren zeigt: Bleibt der Zusammenhang beim Zerschneiden erhalten, steigt die Trefferqualität im Mittel von 52,4 auf 54,3 Punkte. Als Beispiel nennen die Autoren einen Absatz über Berlin, in dem die Folgesätze nur noch „es“ und „die Stadt“ sagen. Der Name steht im ersten Satz. Wird dort geschnitten, verliert der Rest seinen Bezug.
„So erzeugte Abschnitts-Einbettungen können Kontextinformationen aus den umgebenden Abschnitten verlieren. Das Ergebnis sind suboptimale Repräsentationen.“
(„chunk embeddings created in this way can lose contextual information from surrounding chunks, resulting in sub-optimal representations“, Günther u. a.)
Zwei Punkte klingen wenig. Sie entstehen aber allein durch die Reihenfolge der Verarbeitung, ohne dass ein einziges Wort geändert wurde. Wer selbst schreibt, hat den größeren Stellhebel in der Hand.
3. Voraussetzungen: Was Sie vor dem Umschreiben benötigen
Einfache Sprache ist keine Software. Sie ist eine Entscheidung darüber, für wen ein Text geschrieben wird, und diese Entscheidung fällt vor dem ersten Satz, nicht beim Korrekturlesen kurz vor dem Termin. Vier Dinge sollten Sie vorher geklärt haben.
- Ein Sprachniveau. Der DigitalService des Bundes arbeitet für Verwaltungsleistungen auf Niveau B1, also der Sprache, in der sich Erwachsene im Alltag gegenseitig Dinge erklären. Für die meisten Unternehmensseiten ist das ein guter Richtwert.
- Eine Liste Ihrer Fachbegriffe. Schreiben Sie auf, welche Wörter Ihre Kunden nicht benutzen würden. Diese Liste ist später Ihre Arbeitsgrundlage.
- Eine Handvoll echter Fragen. Sammeln Sie, was Interessenten am Telefon wirklich fragen. Diese Formulierungen sind meist schon einfach.
- Jemanden, der gegenliest. Am besten eine Person aus einer anderen Abteilung. Wer den Sachverhalt kennt, überliest jede Lücke.
Der DigitalService formuliert die Regel selbst so knapp, wie sie gemeint ist:
„Die Sätze sind kurz und logisch strukturiert.“ und „Statt des Nominalstils nutzen wir aktive Verben.“ (DigitalService des Bundes)
Dazu kommt die Frage, welche Belege Ihr Text überhaupt trägt. Welche Rolle Quellenangaben dabei spielen, zeigt der Beitrag dazu, wie KI Systeme Quellen gewichten.
Welche Sätze Ihrer Website landen heute in KI Antworten?
Das GEO-Audit erhebt einmal vollständig, mit welchen Seiten und Sätzen Ihr Unternehmen in KI Antworten auftaucht und welche Quellen stattdessen genannt werden.
4. Schritt für Schritt: Sätze, die auch allein tragen
Die folgenden fünf Schritte laufen in dieser Reihenfolge am schnellsten. Rechnen Sie mit einem halben Tag für eine Startseite und drei Leistungsseiten.
Schritt 1: Eine Aussage pro Satz
Trennen Sie jeden Satz auf, der zwei Dinge behauptet. Aus einem Satz mit Nebensatz und Einschub werden zwei kurze Sätze. Der Test dauert Sekunden. Lässt sich der zweite Teil ohne Verlust als eigener Satz lesen, gehört er auch dahin. Ein Satz mit einer Aussage ist die kleinste Einheit, die ein KI System sauber übernehmen kann.
Schritt 2: Lange Komposita auflösen
Deutsche Komposita sind der eigentliche Engpass, nicht die Satzlänge. „Kundenzufriedenheitsbefragung“ ist ein Möbelstück im Flur: praktisch für den, der es gebaut hat, im Weg für alle anderen. Schreiben Sie „Wir fragen unsere Kunden, wie zufrieden sie sind“. Der Satz wird länger, der Text leichter.
Schritt 3: Rückverweise am Satzanfang ersetzen
„Dabei“, „damit“, „dadurch“, „hierfür“: Wörter dieser Art binden einen Satz an den vorherigen. Fällt die Schnittkante dazwischen, steht der Satz ohne Bezug da. Ersetzen Sie das Bindewort durch das Ding, das gemeint ist. Aus „Dabei sparen Sie Zeit“ wird „Bei der Wartung sparen Sie Zeit“.
Schritt 4: Die Kernaussage nach vorn stellen
Der erste Satz eines Abschnitts sollte die Antwort enthalten und nicht die Hinführung, denn genau dieser Satz wird beim Zerschneiden zum Kopf des Stücks und bestimmt mit, wofür der ganze Abschnitt später gefunden wird. Ein Text ohne Kernsatz vorn ist wie ein Brief, dessen Absender erst auf Seite drei steht. Wer zitiert werden will, liefert den zitierfähigen Satz zuerst.
Schritt 5: Zwischenüberschriften als Schnittkanten setzen
Eine Zwischenüberschrift ist die Perforation an der Küchenrolle: Sie legt fest, wo abgerissen wird. Setzen Sie alle 150 bis 200 Wörter eine, und formulieren Sie sie als Aussage. So entscheiden Sie selbst über die Grenzen der Abschnitte, statt es dem Zufall zu überlassen. Welche Rolle diese Struktur im Vergleich zu klassischer Reichweitenarbeit spielt, zeigt der Beitrag zu Reichweite gegen Zitierfähigkeit.
5. Häufige Fehler beim Umstieg auf einfache Sprache
Vier Fehler tauchen in fast jedem ersten Durchgang auf.
Fehler 1: Einfache Sprache und Leichte Sprache verwechseln
Leichte Sprache ist ein eng geregeltes Angebot für Menschen mit Lernschwierigkeiten, mit sehr kurzen Sätzen und festen Gestaltungsregeln. Einfache Sprache richtet sich an alle und bleibt normales Deutsch, nur klar und verständlich. Wer das eine für das andere hält, schreibt entweder zu kindlich oder ändert gar nichts.
Fehler 2: So lange kürzen, bis die Aussage fehlt
Eine Auswertung von Google AI Overviews zeigt, wie teuer fehlende Angaben sind. Das Team um Haofei Xu zerlegte KI Antworten in 98.020 Einzelaussagen und prüfte sie gegen die zitierten Seiten. 88,97 Prozent deckten sich mit der Quelle. Von den übrigen 11,03 Prozent entfielen 6,98 Punkte auf Auslassungen, 2,66 auf falsche Angaben und 1,39 auf widersprüchliche Quellen. Fehlt eine Einschränkung in Ihrem Satz, fehlt sie auch in der Antwort.
Fehler 3: Den Lesbarkeitswert zum Ziel machen
Lesbarkeitsformeln zählen Silben und Wortlängen. Sie messen nicht, ob jemand den Inhalt versteht. Kurze Fachbegriffe verbessern den Wert sogar, obwohl sie den Leser abhängen. Nutzen Sie den Wert als Thermometer, nicht als Zielvorgabe.
Fehler 4: Alles auf einmal umschreiben
Am besten nimmt man sich die vier Seiten vor, die Umsatz bringen. Der Rest folgt später. Ein Umbau sämtlicher Seiten in einem einzigen Durchgang scheitert fast immer an der Zeit, weil die Arbeit neben dem Tagesgeschäft liegt und nach zwei Wochen niemand mehr weiß, welche Seite schon dran war.
6. Unsere Position: Der Engpass ist das Wort, nicht der Satz
Die verbreiteten Ratgeber zur einfachen Sprache stellen kurze Sätze und aktive Verben an die erste Stelle. Das ist richtig. Im deutschen Web trifft es trotzdem am Problem vorbei.
Wir haben das nachgemessen. Aus dem unteren Rangbereich eines öffentlichen Link-Index wurden im September 300 deutsche Domains gezogen, 259 Startseiten waren auswertbar, 122 davon lieferten mindestens 300 Wörter Fließtext im ausgelieferten Rohdokument. Das Ergebnis widerspricht der Erwartung: Die Sätze sind kurz. Im Mittel 13,3 Wörter, und auf 117 der 122 Seiten liegt die durchschnittliche Satzlänge unter 20 Wörtern. Nur 5,6 Prozent aller Sätze überschreiten 25 Wörter.
Trotzdem liegen 81 der 122 Seiten über dem Lesbarkeitswert 10, 48 sogar über 11. Der Grund steckt in den Wörtern: Auf der mittleren Seite haben 30,6 Prozent aller Wörter drei Silben oder mehr, 37,5 Prozent sind länger als sechs Zeichen.
Die Zahl, die wir erwartet hatten, blieb dagegen aus. Rückverweisende Satzanfänge kamen nur in 4,2 Prozent aller Sätze vor. Das Problem aus Sektion 3 ist real, aber es ist nicht das häufigste.
Unsere Position: Wer im deutschen Web an der Verständlichkeit arbeiten will, kürzt nicht die Sätze. Er zerlegt die Wörter.
Eine Einschränkung gehört dazu. Einfache Sprache ist kein Ranking-Trick. Eine Untersuchung von Bajemon und Rochet hat die einzigen veröffentlichten Wirkungsbelege an zehn heutigen Engine-Familien nachgemessen und gefunden, dass die dort geprüften Textkniffe die Zitierhäufigkeit nicht mehr bewegen. Der Zusammenhang zwischen reinem Textwert und Zitierung lag bei einem Rangkorrelationswert von 0,11. Einfache Sprache sorgt also vermutlich eher dafür, dass Ihre Aussage richtig wiedergegeben wird, als dafür, dass sie öfter vorkommt.
Für Menschen ist der Nutzen dagegen gemessen. In einer Studie mit 4.563 Testpersonen und 31 Texten stieg das Verständnis nach der Vereinfachung durch Sprachmodelle um 3,9 Prozentpunkte, bei medizinischen Texten um 14,6. In unseren Tests bestätigt sich dieses Muster auch auf Unternehmensseiten. Wer Belege in fremden Medien aufbaut, etwa über internationale Pressemitteilungen, profitiert doppelt, weil auch dort klar geschriebene Kernsätze übernommen werden. Die saubere Benennung der eigenen Marke gehört dazu und ist Gegenstand der Optimierung des Wissensnetzes.
7. Fazit
Plain Language ist eine Schreibdisziplin, kein Werkzeug. Sie verlangt eine Aussage pro Satz, aufgelöste Komposita, benannte Bezüge und Zwischenüberschriften an genau den Stellen, an denen ein Programm den Text ohnehin teilen würde.
Für deutsche Unternehmensseiten liegt der größte Stellhebel nicht bei der Satzlänge, sondern beim Wortmaterial. Wer dort ansetzt, gewinnt zweimal: Der Text wird für Ihre Kunden leichter, und einzelne Sätze überstehen den Schnitt, den jedes KI System vor einer Antwort vornimmt. Das Ziel: Jeder tragende Satz Ihrer Website soll auch dann noch stimmen, wenn ihn jemand allein aus dem Text herausnimmt.
8. Anhang: Checkliste für den ersten Durchgang
- Vier Seiten ausgewählt, die tatsächlich Umsatz bringen.
- Jeder Satz mit zwei Aussagen aufgeteilt.
- Komposita mit drei oder mehr Bestandteilen in eine Wortgruppe aufgelöst.
- Satzanfänge wie „dabei“, „damit“ und „hierfür“ durch das gemeinte Wort ersetzt.
- Kernaussage im ersten Satz jedes Abschnitts.
- Alle 150 bis 200 Wörter eine Zwischenüberschrift als Aussage.
- Fachbegriffe bei der ersten Nennung in Klammern erklärt.
- Text von einer fachfremden Person gegengelesen.
Wen empfiehlt ChatGPT, wenn Ihre Kunden fragen?
Vielleicht Sie, vielleicht Ihren Wettbewerber. Im kostenlosen Erstgespräch sehen wir gemeinsam nach, was ChatGPT, Gemini und Perplexity heute über Ihr Unternehmen sagen, woher diese Antworten stammen und wo sich Arbeit für Sie wirklich lohnt. Und wenn eine einmalige Prüfung genügt, sagen wir Ihnen das offen.
Häufig gestellte Fragen zu Plain Language

Über den Autor
Simon Hubert
Gründer und Geschäftsführer der GEO Agentur Hubert Strategies
Simon Hubert ist Gründer der GEO Agentur Hubert Strategies in Göttingen und arbeitet an generativer Suchmaschinenoptimierung, Entity SEO, Knowledge-Graph-Strukturen und KI-Sichtbarkeit in ChatGPT und Co. Seine erste Digitalagentur gründete er 2011. Er hält einen Master in Business Informatics der Universität Mannheim und ist seit über 20 Jahren in Digitalisierung und IT unterwegs, mehrere Jahre davon in Großkonzernen.
Dieser Beitrag gibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Verfahren, Modelle und Messwerte ändern sich laufend. Alle Zahlen stammen aus den verlinkten Quellen und aus einer eigenen Stichprobe, die keine repräsentative Erhebung ist.
