Woher nehmen ChatGPT, Gemini, Copilot und Claude ihre Informationen? Und nach welchen Kriterien die Systeme Unternehmen empfehlen
Lektion 2 von 9 im GEO-Leitfaden für den Mittelstand: Verstehen
Warum nennt ChatGPT ein bestimmtes Unternehmen und ein anderes nicht? Um das zu verstehen, muss man wissen, woher die Antwort kommt. Bei Fragen nach Anbietern schauen die Systeme meist live im Netz nach. Sie lesen eine Handvoll Seiten und formulieren daraus eine Empfehlung. Welche Websites gelesen werden und wem am Ende vertraut wird, folgt eigenen Regeln. Mit der klassischen Google-Suche haben diese Regeln weniger gemein, als viele denken.
Antwortet ChatGPT aus dem Gedächtnis oder aus dem Internet?
ChatGPT antwortet auf zwei Wegen. Der erste ist das Wissen, das beim Training gelernt wurde. Der zweite ist eine Live-Recherche im Internet, die das System bei Bedarf selbst startet. Braucht eine Frage aktuelle Informationen, sucht ChatGPT nach Angaben von OpenAI automatisch im Netz. Auf die meisten Fragen nach Anbietern trifft genau das zu.
Für Sie als Unternehmen ist dieser Unterschied wichtiger, als er klingt. Früher musste man hoffen, irgendwann im Trainingsmaterial aufzutauchen. Das dauerte Monate oder Jahre. Mit der Live-Recherche kann eine neue, gut gemachte Webseite schon nach kurzer Zeit in eine Antwort einfließen. Für den Mittelstand ist das eine Chance. Ein Konzern mit jahrzehntelanger Medienpräsenz muss man dafür auch nicht sein.
Ganz verschwunden ist das Gedächtnis trotzdem nicht. Es prägt, welche Namen dem System einfallen, wie eine Frage in Suchbegriffe übersetzt wird und wie die gefundenen Seiten eingeordnet werden. Wer über Jahre an vielen Stellen erwähnt wurde, hat hier vermutlich einen deutlichen Vorsprung.
Auf einen Blick
Welche Suchmaschinen nutzen ChatGPT, Copilot, Gemini, Perplexity und Claude?
ChatGPT, Copilot, Gemini und Claude nutzen für ihre Recherche Suchmaschinen im Hintergrund. Und zwar nicht alle dieselbe. Für viele Unternehmen ist das einer der wichtigsten Punkte dieses GEO-Leitfadens, weil sie bisher nur auf Google geachtet haben.
- ChatGPT schreibt die Frage nach Angaben von OpenAI in eine oder mehrere gezielte Suchanfragen um und schickt sie an externe Suchanbieter; als Partner nennt OpenAI dort unter anderem Microsoft, den Betreiber von Bing.
- Microsoft Copilot erzeugt laut Microsoft aus der Frage eine kurze Suchanfrage und schickt sie an Bing.
- Google Gemini und die KI-Funktionen der Google-Suche stützen sich auf die eigene Google-Suche.
- Claude von Anthropic nutzt für die Websuche nach einem Eintrag in Anthropics Liste der Unterauftragsverarbeiter vom März 2025 die Suchmaschine Brave Search, wie der Entwickler Simon Willison dokumentiert hat.
- Perplexity zeigt die gelesenen Quellen direkt neben der Antwort, was es für den Selbsttest in Lektion 3 besonders nützlich macht. Sagt aber nicht selbst, über welche Suchmaschine es gegangen ist. Im Hintergrund arbeitet Perplexity nach eigenen Angaben mit einem eigenen Suchindex, der mehrere Hundert Milliarden Webseiten umfasst. Gefüllt wird er vom Crawler PerplexityBot, einem Programm, das Websites ausliest. Wer PerplexityBot in der Steuerdatei robots.txt seiner Website sperrt, nimmt sich damit womöglich selbst aus den Antworten von Perplexity.
Für die Praxis heißt das: Wer bei Google gut gefunden wird, bei Bing aber kaum, fehlt womöglich genau dort, wo ChatGPT und Copilot nachschauen. Viele Mittelständler haben ihre Website noch nie bei Bing angemeldet. Wie das nachgeholt werden kann, zeigt Lektion 5.
Warum empfiehlt ChatGPT nicht einfach den ersten Google-Treffer?
ChatGPT empfiehlt nicht einfach den ersten Google-Treffer, weil die Suchmaschine nur die Vorauswahl liefert und das System danach selbst entscheidet, welche Seiten es für glaubwürdig und passend hält. Eine gute Platzierung ist die Eintrittskarte, aber immer weniger eine Garantie für eine Nennung in der KI.
Wie groß der Abstand zwischen Platzierung und Zitat inzwischen ist, zeigt eine Auswertung von Ahrefs über 863.000 Suchergebnisseiten und rund vier Millionen in Googles KI-Übersichten zitierte Adressen. Im März 2026 stammten nur noch 38 Prozent der Zitate von Seiten unter den ersten zehn Treffern, ein Jahr zuvor waren es 76 Prozent. Ahrefs führt das darauf zurück, dass die Systeme eine Frage in viele Unterfragen zerlegen und dafür weit über die erste Seite hinaus suchen.
Was unterscheidet die alte Google-Suche von der Suche mit KI?
Die alte Google-Suche und die Suche mit KI unterscheiden sich vor allem darin, wer am Ende entscheidet. Bei Google entscheidet der Mensch, welchen der zehn Treffer er öffnet. Bei ChatGPT, Gemini, Copilot oder Claude trifft das System die Vorauswahl selbst und nennt nur noch wenige Namen. Daraus folgen Unterschiede in fast allem, was für ein Unternehmen zählt.
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Frage |
Alte Suchlogik (Google bis etwa 2023) |
Neue Suchlogik (KI-Assistenten, Stand 2026) |
|---|---|---|
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Was wird gelesen? |
Ihre Website, Seite für Seite |
Alles, was über Ihr Unternehmen im Netz steht, auf vielen Seiten zugleich |
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Was zählt am meisten? |
Passende Suchbegriffe und Links von anderen Websites |
Eindeutige Angaben, Erwähnungen und Bestätigung durch andere |
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Was bekommt der Suchende? |
Eine Liste mit zehn Links zum Anklicken |
Eine fertige Antwort mit wenigen Namen, oft ohne Klick |
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Wer ist die wichtigste Quelle? |
Ihre eigene Website |
Fremde Quellen; die eigene Website ist eine Stimme unter vielen |
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Wie viele Kanäle braucht es? |
Einen, die Website |
Viele: Website, Profile, Verzeichnisse, Bewertungen, Medien, Social Media |
Den Unterschied zwischen sichtbar und unsichtbar machen heute eindeutige Angaben über das Unternehmen und belegbare Erfahrung, Fachwissen, Autorität und Vertrauenswürdigkeit, bei Google kurz E-E-A-T genannt. Beides muss auf allen Kanälen sichtbar sein, auf denen Ihr Unternehmen vorkommt. Ein einzelner Kanal reicht dafür nie.
Welchen Quellen vertraut die KI mehr als Ihrer Website?
Die KI vertraut fremden Quellen in der Regel mehr als der Website des Unternehmens selbst: Fachmedien, Verzeichnissen, Bewertungsplattformen, Verbänden, Seiten von Kunden oder Partnern. Nachvollziehbar ist das. Was andere über ein Unternehmen schreiben, ist für ein KI-System ein stärkerer Beleg als jede Selbstauskunft.
Die Mediendatenbank Muck Rack wertet dazu regelmäßig aus, welche Quellen ChatGPT, Claude und Gemini zitieren. Für die Ausgabe vom Mai 2026 wurden mehr als 25 Millionen Links aus 17 Branchen untersucht. 84 Prozent der zitierten Quellen sind fremde, nicht bezahlte Inhalte, Journalismus allein macht 27 Prozent aus, bezahlte und werbliche Inhalte kommen auf 0,3 Prozent. Seit der ersten Auswertung im Juli 2025 lag der Anteil der fremden Inhalte stets zwischen 82 und 89 Prozent.
Die eigene Website ist wie ein selbst geschriebenes Arbeitszeugnis. Die Referenz schreiben andere.
Ihre Website verliert dadurch nicht an Bedeutung. Sie ist der Ort, an dem alle Angaben zusammenlaufen, und die Referenz, mit der die KI fremde Aussagen abgleicht. Aber sie überzeugt nicht allein. Wie Sie fremde Bestätigung aufbauen, zeigt Lektion 7.
Welche vier Fragen beantwortet die KI, bevor sie ein Unternehmen nennt?
Bevor die KI ein Unternehmen nennt, beantwortet sie sich im Kern vier Fragen: Finde ich es? Verstehe ich eindeutig, wer das ist? Gilt das noch? Und wer bestätigt es außer dem Unternehmen selbst? Kein Anbieter legt seine Auswahlregeln offen. Diese vier Fragen fassen aber zusammen, was sich aus den Studien und aus der Beobachtung vieler Antworten ableiten lässt. Diese und weitere Grundlagen der KI-Sichtbarkeit sind in einer eigenen Übersicht gebündelt.
Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar. Zwei Metallbauer aus derselben Region bieten fast dasselbe an. Der erste beschreibt sich auf der Website als Spezialist für Lohnfertigung, steht im Branchenverzeichnis noch mit dem Anlagenbau, den er vor zehn Jahren aufgegeben hat, und hat auf LinkedIn seit einem Jahr nichts veröffentlicht. Der zweite sagt überall dasselbe, zeigt aktuelle Projekte und wird auf der Website eines Kunden als Partner genannt.
Was die KI bei beiden sieht
Beim ersten Metallbauer findet das System widersprüchliche Angaben, keine frischen Spuren und keine Bestätigung von außen. Es ist sich nicht sicher, was das Unternehmen heute macht, und nennt es im Zweifel nicht. Beim zweiten passt alles zusammen: gleiche Beschreibung, aktuelle Arbeit, ein Kunde, der das bestätigt. Das System nennt ihn, weil es sich seiner Sache sicher sein kann.
Hinter jeder der vier Fragen stehen konkrete Signale, an denen die KI ihre Antwort festmacht. Die Übersicht zeigt, welche das sind und in welcher Lektion Sie daran arbeiten. Die vierte Frage hat dabei zwei Seiten: Erwähnt wird ein Unternehmen in Fachmedien, Verbänden, Listen und auf den Seiten von Kunden, bewertet wird es in Bewertungen und Referenzen.
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Frage der KI |
Signale, auf die sie achtet |
Wo Sie daran arbeiten |
|---|---|---|
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Gefunden? |
Treffer bei Bing, Google und Brave; Suchroboter dürfen die Seiten lesen; die Seiten sind indexiert |
Lektion 5 und 6 |
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Verstanden? |
Gleicher Name, gleiche Adresse und gleiche Leistungen überall; ein Stammtext für alle Profile; strukturierte Daten auf der Website; wichtige Angaben als lesbarer Text, nicht nur im Bild |
Lektion 5 und 6 |
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Aktuell? |
Sichtbares Stand-Datum; regelmäßige fachliche Beiträge auf der Website und auf LinkedIn; neue Bewertungen und Projekte |
Lektion 6 und 8 |
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Bestätigt: erwähnt? |
Nennungen in Fachmedien, Verbänden, Listen und Vergleichen, auf Kunden- und Partnerseiten, in Fachgesprächen und in Beiträgen anderer auf LinkedIn und YouTube |
Lektion 7 und 8 |
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Bestätigt: bewertet? |
Bewertungen auf mehreren Portalen, Referenzen, Fallstudien, Kundenstimmen und Erfahrungsberichte in Foren wie Reddit oder Fachgruppen |
Lektion 7 und 8 |
Die Lektionen 5 bis 8 arbeiten diese vier Fragen nacheinander ab. Vorher lohnt sich aber ein Blick darauf, wie die KI Ihr eigenes Unternehmen heute sieht. Genau darum geht es in Lektion 3.
Ihr nächster Schritt
Lesen Sie den ersten Absatz Ihrer Startseite so, als hätten Sie noch nie von Ihrem Unternehmen gehört. Steht dort klar, was Sie machen, für wen und wo? Oder steht dort, dass Sie „Qualität und Leidenschaft verbinden“? Schreiben Sie auf, was ein Fremder nach diesem Absatz über Sie wüsste. Werfen Sie ggf. auch einen Blick auf die Über Uns Seite.
Das Wichtigste in Kürze
Weiter mit Lektion 3
Wie prüfen Sie Ihre KI-Sichtbarkeit selbst?
Wie Sie mit echten Fragen Ihrer Kunden, Bewerber und Geldgeber selbst prüfen, was ChatGPT, Copilot, Gemini und Claude über Ihr Unternehmen sagen.
Quellen
- OpenAI: Searching the web with ChatGPT. Hilfe-Center, abgerufen am 28.09.2026
- OpenAI: Introducing ChatGPT search. 31.10.2024
- Microsoft: How web search works in Microsoft 365 Copilot Chat and agents. Abgerufen am 28.09.2026
- Google: Grounding with Google Search, Gemini API. Abgerufen am 28.09.2026
- Simon Willison: Anthropic Trust Center, Brave Search added as a subprocessor. 21.03.2025
- Perplexity: Introducing the Perplexity Search API. 25.09.2025
- Perplexity: PerplexityBot. Dokumentation, abgerufen am 02.10.2026
- Ahrefs: Update, 38% of AI Overview Citations Pull From The Top 10. 02.03.2026
- Muck Rack: Earned media still drives 84% of AI citations. 07.05.2026
Vertiefung: Welche Quellen ChatGPT nutzt · RAG einfach erklärt · Warum Nutzer KI vertrauen · Wie KI Autorität misst
Wen empfiehlt ChatGPT, wenn Ihre Kunden fragen?
Vielleicht Sie, vielleicht Ihren Wettbewerber. Im kostenlosen Erstgespräch sehen wir gemeinsam nach, was ChatGPT, Gemini und Perplexity heute über Ihr Unternehmen sagen, woher diese Antworten stammen und wo sich Arbeit für Sie wirklich lohnt. Und wenn eine einmalige Prüfung genügt, sagen wir Ihnen das offen.
FAQ Häufig gestellte Fragen

Über den Autor
Simon Hubert
Gründer und Geschäftsführer der GEO Agentur Hubert Strategies
Simon Hubert ist Gründer der GEO Agentur Hubert Strategies in Göttingen und arbeitet an generativer Suchmaschinenoptimierung, Entity SEO, Knowledge-Graph-Strukturen und KI-Sichtbarkeit in ChatGPT und Co. Seine erste Digitalagentur gründete er 2011. Er hält einen Master in Business Informatics der Universität Mannheim und ist seit über 20 Jahren in Digitalisierung und IT unterwegs, mehrere Jahre davon in Großkonzernen.
Dieser Beitrag ist Teil des GEO-Leitfadens für den Mittelstand und gibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. KI-Systeme entwickeln sich schnell; genannte Zahlen sind den verlinkten Quellen entnommen und können sich ändern.
